Kurzfassung: Fachartikel oder Pressetexte von Roboterjournalisten, also von künstlichen Intelligenzen verfasst, kommen für die Leser aus Fleisch und Blut deutlich glaubwürdiger rüber.

Roboterjournalisten

Roboterjournalisten

Die deutsche Medienlandschaft muss sich derzeit mit einem schmerzlichen Verlust an Vertrauen befassen. Gut zwei Drittel aller Konsumenten von Nachrichten glauben nämlich mittlerweile, dass die Inhalte der News weitestgehend durch Lobbyisten, durch merkantil orientierte Meinungsmache oder durch sonstige undemokratische Fremdeinwirkung bestimmt werden. Der Terminus der „Lügenpresse“ bringt hier sowohl das Unbehagen als auch das Misstrauen in der Bevölkerung zwar krass, dafür aber unmissverständlich zum Ausdruck. Wäre es unter diesen befremdlichen Umständen nicht sinnvoll, Nachrichten ab sofort nur noch von unbestechlichen, unabhängigen und überparteilichen Roboterjournalisten abfassen zu lassen? Dafür spricht tatsächlich einiges, wie ein Wissenschaftlerteam aus München jetzt empirisch bestätigen konnte.

Roboterjournalisten kommunizieren ähnlich glaubhaft wie Vulkanier

Wer Mister Spock kennt (und wer kennt ihn nicht), der weiß, dass Vulkanier zwar oft etwas gestelzt daherreden, mit ihren Aussagen aber stets bis auf die letzte Nachkommastelle präzise informieren, ohne dafür auch nur ein einziges Wort zu viel zu benutzen. Und genau das machen Roboterjournalisten auch. Ihre Texte mögen zwar hier und da (durchaus nicht immer) etwas holprig sein, aber dafür strotzen die Beiträge nur so von präzisen Zahlen, Daten und Fakten. Und dabei sind die Beiträge knackig kurz und knapp. Roboterjournalisten beschönigen oder dramatisieren nichts, und sie runden weder auf noch ab. Just the facts and only the facts. Und genau diese vulkanisch emotionsfreie Berichterstattung scheint es zu sein, die die gefühlte Glaubwürdigkeit beim menschlichen Leser in die Höhe schießen lässt.

Roboterjournalisten und der gequälte Aufschrei der Journaille

Wenn in Zukunft Roboterjournalisten die Nachrichtentexte schreiben, was soll dann die Journalistenzunft aus Fleisch und Blut noch machen? Ganz Recht: Erst mal laut aufjaulen und dann sofort eine Ethikkommission für die schreibenden KIs einfordern. Irgendjemand muss ja schließlich darüber wachen, was die Roboterjournalisten so alles verfassen. Allerdings frage ich mich: Wenn es am Ende doch nur wieder tendenziöse, korrupte und bestechliche Menschlein sind, die die Roboterjournalisten hinter dem welken Feigenblatt der Ethik nach Belieben zensieren dürfen, was bringt uns allen dann der ganze Aufwand?

Das beste wird es wohl immer noch sein und auch für lange Zeit bleiben, bei Nachrichtentexten nicht nur einer Quelle zu vertrauen, sondern umfassend die neugierige und kritische Nase in alle Ecken der Medienlandschaft zu stecken. Das schützt leider auch nicht zu 100 Prozent vor medialen Manipulationsversuchen. Aber es ist immerhin eine akzeptable Methode, nicht sofort blindlings auf den erstbesten Schlagzeilenschreihals reinzufallen.

– Milla Münchhausen –

 

Daniel Deppe / ONLINETEXTE.com

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